Auf eine schlechte Honigernte blicken die Imker heuer bayernweit zurück. Im Schnitt konnten sie laut Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen nur etwa 26 Kilogramm pro Volk gewinnen. Im Landkreis Regen liegen die Erträge noch über diesem Mittel. Dennoch sei die vergangene Saison alles andere als gut gewesen, berichtet Franz Rothkopf, Vorsitzender des Imker-Kreisverbands Regen. Woran das gelegen hat, erklärt er in einem Gespräch zum Welttag des Honigs am 7. Dezember.
Eins schickt Franz Rothkopf bei seiner Jahresbilanz gleich voraus: „Wir sind im Bayerischen Wald noch im Paradies“. Einerseits, was die Pflanzenvielfalt und damit die Honigqualität angehe. Und andererseits, was den Honigertrag betreffe. So hätten seine rund 200 Völker, die vor allem im Kreis Regen, aber auch in den Nachbarlandkreisen Freyung-Grafenau und Straubing-Bogen positioniert sind, heuer im Schnitt je 36 Kilo Honig produziert.
Wetter und Varroamilbe machen Probleme
Damit liegt Rothkopfs Ertrag deutlich über dem bayerischen Mittelwert. Im Verhältnis zu anderen Jahren, in denen er teils über 90 Kilo pro Volk ernten konnte, sei das aber nur ein mittelmäßiger Wert, sagt der Vollerwerbsimker. Und ähnlich maue Ernten hätten auch andere Imker im Landkreis Regen eingefahren.
Heuer sei das zwar nicht so schlimm, sagt Rothkopf, denn vor allem die hauptberuflichen Imker könnten noch von den guten Erträgen des vergangenen Jahres zehren. Mehrere Jahre in Folge dürfe es allerdings nicht so laufen wie heuer, sonst seien Existenzen gefährdet.
Honigtau und Nektar der Bäume flossen heuer nur spärlich
Doch was war der Grund für die schlechte Ernte 2025? Zum einen war das Wetter nicht ideal, sagt Franz Rothkopf: „Im Frühjahr hat‘s eigentlich gut angefangen. Aber dann kam ein Kälteeinbruch von 14 Tagen.“ Infolgedessen hätten die Bienen den bis dato produzierten Honig selbst gebraucht, um am Leben zu bleiben. Und dieses Defizit ließ sich auch im Sommer nicht ausgleichen. Im Gegenteil, sagt der Imkersprecher: „Der Sommer war viel zu kalt und zu feucht“. Deshalb sei die Waldtracht, also der Honigtau und Nektar der Bäume, unterdurchschnittlich ausgefallen.
Zu kämpfen haben die Imker außerdem immer noch mit der Varroamilbe, einem Parasiten, der die Bienenbrut befällt und Viren überträgt. Drastische Schäden wie im Jahr 2019, als 70 Prozent von Rothkopfs Bienen wegen der Milbe gestorben seien, kämen mittlerweile aber nicht mehr vor. Auch laufen bereits Versuche, eine Varroa-resistente Bienenart zu züchten. „Doch davon sind wir noch Lichtjahre weg“, weiß Rothkopf, der am Rachel selbst eine Königinnenzucht betreibt.
Die Imkerei setzt heute auf Honigwaagen mit Funksignal aufs Handy
Bis dahin helfe nur die regelmäßige Kontrolle der Bienenstöcke sowie ein rechtzeitiges Abernten. Denn erst nach der Ernte kann ein Varroa-Befall bekämpft werden. Wann der richtige Zeitpunkt für die Ernte gekommen ist, können Imker mittlerweile digital bestimmen. Dafür stellt Rothkopf an jedem seiner Standorte einen Bienenstock auf eine Funkwaage. Diese sendet dann in Echtzeit das aktuelle Gewicht an sein Handy. „Und wenn Juli ist und die Waage stehen bleibt, kann geerntet werden“, erklärt der Imker.
Danach geht‘s dann sofort an die Varroa-Behandlung – eine Arbeit, die sich bis in die Wintermonate hineinzieht. Aktuell werden die Bienen aber in Frieden gelassen. „Die sind gerade in der Traube und brauchen ihre Ruhe“, sagt Franz Rothkopf. Langweilig werde ihm aber trotzdem nicht. Jetzt sei die Zeit, in der er große Lieferungen abfülle, etikettiere und verschicke. Dank der Ernte von letztem Jahr und der langen Haltbarkeit des Honigs könne er den Anfragen auch gerecht werden, sagt er.
Allein vom Honig- und Wachsverkauf könne er mittlerweile aber nicht mehr leben, gibt der Vollerwerbsimker zu bedenken. Zusätzlich sei er auf die Königinnenzucht und den Zubehörhandel angewiesen. Und so gehe es vielen hauptberuflichen Imkern. Deshalb stagniere ihre Zahl auch beziehungsweise sei leicht rückläufig – ganz im Gegensatz zu den Hobbyimkern, die laut Rothkopf wieder mehr werden. Doch diese verfügen meist nur über fünf Völker oder weniger und nicht über 200, so wie er.
Neue EU-Richtlinie soll Imkern helfen
Deshalb brauche es mehr Unterstützung aus der Politik für die Berufsimker, meint Rothkopf. Eine Bestäubungsprämie von 50 Euro pro Volk fände er angemessen. So könnten auch schlechte Erntejahre besser ausgeglichen werden. Doch dieser Wunsch treffe auf wenig Gegenliebe.
Immerhin eine positive Nachricht gebe es aber für die Imker im kommenden Jahr: Dank einer neuen EU-Richtlinie muss ab Juni 2026 explizit das Herkunftsland auf dem Honigglas stehen und nicht wie bisher nur „aus EU-Ländern“ oder „aus Nicht-EU-Ländern“. „Das könnte einen Schub für die Vermarktung von heimischem Honig bedeuten“, hofft Franz Rothkopf. Denn genau das brauchen die Imker im Landkreis: regionalen Einkauf und gutes Wetter.





